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Interview mit Pete Rode (Mortal Peril, Bergisch Metal Festival, Metal Colonia Fest)

“Die einzige Form von Magie, die es auf dieser Welt wirklich gibt ist, wenn die Musik genau die Gefühle transportiert, die man ihr mitgegeben hat.”

Vor ein paar Monaten traf ich auf dem Bergisch Metal Festival PETE RODE von der lokalen Thrash-Band MORTAL PERIL. Ein paar Monaten später interviewte ich Pete über sein Leben in der Musik.

Sein nächstes Festival, das METAL COLOLNIA FEST, findet am 3. September 2022 im Club Volta (Köln) statt.

Wie bist du zur Heavy Metal-Musik gekommen?

Härtere Musik mit E-Gitarren hat mir schon gefallen, seit ich denken kann. Tatsächlich bin ich über den Umweg Punk zum Metal gekommen. Ein Freund von mir hat mir 1981 oder 1982 von Sex Pistols die „Never Mind the Bollocks“ vorgespielt. Wirklich befriedigt hat mich Punk aber nie, weil es einfach zu chaotisch klang und da war es nur eine Frage der Zeit, bis ich auf AC/DC, Motörhead und Scorpions stieß. Man muss sich vorstellen, dass Metal und Punk in den Medien einfach nicht existierten. Es gab nur Radio, Fernsehen und Printmedien und es war schon sensationell, wenn mal irgendwo KISS lief. Wenn man keinen kannte, der einen damit in Berührung brachte, hat man einfach nicht gewusst, dass es Heavy Metal gibt. Auf meiner Schule war ich unter über 1000 Schülern fast der Einzige, der auf härtere Musik stand. Als ich 13, 14 wurde, fing ich erst an mit Freunden rumzuhängen, die ich nicht von der Schule kannte und erst ab dann habe ich mehr Bands kennen gelernt.

Gibt es ein Album, das dein Leben verändert hat?

Ganz klar Slayer „Reign in Blood“ . Bevor du jetzt sagst, diese Nennung wäre für einen Thrasher langweilig und vorhersehbar: man muss sich die Zeit vorstellen, in der das Album rauskam. Ich nehme dich mal kurz mit zurück, zum Oktober 1986. Mach am besten die Augen zu, wenn du dir das vorstellst. Die von der Bay Area angestoßene Thrash-Welle ist gerade erst bei den Fans in Europa so richtig eingeschlagen. Metallica haben es ein halbes Jahr vorher geschafft, mit Master of Puppets den Status als Insider-Tipp in Europa zu überwinden. Ich kannte weniger als ein Dutzend Leute, die Metal hörten und die Zeitungen wie Rockhard oder Metal Hammer, hatten wir auch erst ein Jahr vorher für uns entdeckt. Die hatten bestimmt schon früher über Metallica und Slayer berichtet, aber woher hätten wir wissen sollen, dass es diese Bands gibt, wenn wir die Zeitschriften, die über sie berichtet hatten, nicht mal kannten? Rockhard und Metal Hammer konntest du nicht in jedem Supermarkt oder beim Kiosk um die Ecke kaufen. Da gab es nur die bescheuerte Bravo. Diese Zeitungen lagen nicht überall rum. Man musste schon gezielt danach suchen. Hast du das alles vor deinen Augen? Ich sitze also ahnungslos mit meinem Kumpel in seiner Bude, um ein Tape mit neuem Zeug anzuhören, dass ihm ein anderer Kumpel zusammengestellt hatte und plötzlich hämmert „Necrophobic“ aus den Boxen. Das Tempo, die Präzision, der brutale Sound, die disharmonischen wilden Soli, Arayas Geschrei…. Wir hatten nie etwas auch nur annähernd Vergleichbares gehört und wir hätten uns solche Songs nicht mal vorstellen können. Ab da habe ich Musik völlig neu gedacht und gehört. Ich hatte zwar kurz vorher schon mal von Kreator gehört und die Platte war brutal aber handwerklich und soundmäßig noch ziemlich schlecht.

Welche Musiker inspirieren dich und was bewunderst du an ihnen?

Gary Moore für seinen einzigartiges Gefühl in den Fingern. Eddie Van Halen weil er mit der Gitarre Dinge machte, auf die vor ihm niemand gekommen ist.  Dimebag Darrel weil er es geschafft hat, einen neuen Stil und Sound zu prägen, zu einer Zeit als man dachte, man hätte alles schonmal gehört. Dave Mustaine, weil er selbst im Herbst seiner Karriere immer noch unfassbar geile Riffs macht.

Was war das beste Konzert, das du je gesehen hast?

Shit! Du hast ja keine Ahnung, was du mir da für eine unmögliche Frage stellst. Einige magische Konzerte sind Jahrzehnte her, einige noch gar nicht so lange. Metallica + Queensryche 1989 in der Kölner Sporthalle wäre aber sicher keine falsche Antwort. Beide Bands waren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Das war sicher eines der besten Konzerte, die ich je erlebt habe, aber ich hätte selbst mit einer Top 10 Liste Probleme.

Du hast erzählt, dass du mit deinen Freunden nach deinem ersten Iron Maiden-Konzert 1986 eine Band gegründet, Instrumente mehr oder weniger ausgelost und DANN angefangen hast, das Spielen zu lernen. Habt ihr euch das gemeinsam beigebracht?

Das ist nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich haben wir auch eine Liste mit Bandnamen gemacht und erst danach losgelegt. Mein alter Freund, mit dem ich auf besagtem Konzert war, hat schon immer gerne bei Partys jeden Song mitgesungen und das klang wirklich nicht so schlecht. Ich hatte ziemlich gute musiktheoretische Kenntnisse aus der Schule. Ich wusste also schon was ich tue, als ich das erste Mal eine Gitarre in die Hand nahm. Der den wir zum Bassisten ernannt hatten, hatte gar keine Ahnung und er hat dann auch gar nicht angefangen. Der dritte Mann, hat gelegentlich was auf dem Schlagzeug im Proberaum eines Verwandten getrommelt. Schließlich haben wir noch ein Mädchen gefunden, die tatsächlich was konnte. Zu meinem Leidwesen war es das Keyboard und ich war nicht mit dieser Personalie einverstanden. Nach ungefähr einem halben Jahr, während jeder für sich etwas geübt hatte, haben wir und dann versammelt und ein paar Mal die schlechteste Version von Jump gespielt, die du dir vorstellen kannst. Hätten wir davon ein Video, wäre es heute garantiert ein viraler Hit. über den sich die Leute kaputt lachen. Das Projekt ging nicht lange gut und schließlich war ich am Ende der Einzige, der die Schnappsidee mit der Bandgründung und Musik machen ernsthaft weiterverfolgt hat.

Spielst du auch andere Instrumente als Gitarre?

Nein. Ich kann nicht mal mit einer Akkustik-Gitarre was anfangen. Ich bin reiner E-Gitarre-Fachidiot und selbst auf der E-Gitarre, kann ich nichts außer Metal. Wenn ich mehr Zeit hätte, könnte ich vielleicht ganz akzeptabel Klavier oder Schlagzeug spielen. Das Talent dafür ist vorhanden, glaube ich.

Wie geht ihr bei Mortal Peril vor, wenn ihr neues Material schreibt?

Das kommt darauf an, wer mit der Grundidee für den Song ankommt. Unser Bassist und Sänger Jan hat meistens weitgehend fertige Lieder zur Hand, mitsamt Text. Bei mir ist es ähnlich, nur dass ich noch mehr offenlasse, um den Song mit den anderen zusammen zu arrangieren und daran ist natürlich auch unser Drummer Jonas beteiligt. Im Besten Fall schaffe ich es, Text und Musik gleichzeitig zu machen aber ohne Text kann ich nicht arbeiten. Unser zweiter Gitarrist Lukas ist kein Textschreiber und daher gibt er Kombinationen von Riffs dazu, die gut zusammenpassen, die aber noch keinen fertigen Song ergeben. Diese Ideen entwickeln wir erst gemeinsam zu einem richtigen Song weiter. Wir lassen uns von seinen Improvisationen inspirieren und die Methode funktioniert so gut wie alle anderen. Das wichtigste ist Geduld. Man kann es nicht erzwingen. Manche Ideen brauchen 3 Stunden, andere brauchen 3 Monate oder sogar mehr.

Welche Teile des Musikerlebens sind dir am liebsten? Material schreiben, proben, aufnehmen, touren, live spielen?

Natürlich live spielen. Darum geht es doch am Ende. Alles andere macht Spaß, aber eigentlich steigert es nur die Vorfreude auf die Bühne.

Was ist das Beste daran, live zu spielen?

Für mich ist es der Moment, wenn ich sehe, dass ein Song, den wir gemacht haben, das bewirkt was er soll. Das ist Magie. Die einzige Form von Magie, die es auf dieser Welt wirklich gibt ist, wenn die Musik genau die Gefühle transportiert, die man ihr mitgegeben hat. Und dann sind da die Begegnungen mit Freunden, Bekannte und Unbekannten vor und nach der Show. Ich habe so viele unglaublich tolle Menschen durch die Musik kennen gelernt. Musik verbindet uns alle.

Spielst du Gigs lieber auswärts oder in deiner eigenen Stadt?

Auch diese Frage kann ich nicht eindeutig beantworten. Ich mag es, neue Menschen und Orte kennenzulernen, aber manchmal ist es zu Hause am schönsten.

Was war der beste Gig, den du je gespielt hast?

Shit! Noch so eine unmögliche Frage, aber ich will es versuchen. Mit meiner früheren Band Guerrilla sind wir nach Tschechien gefahren. Das war in den verrückten drei Jahren zwischen 2003 und 2005, in denen wir buchstäblich jedes Wochenende unterwegs waren. Eine Band, die wir auch hier in Köln hatten, hatte uns im Gegenzug in die tiefste Provinz, im Osten des Landes eingeladen. Da haben wir in einer völlig überfüllten Turnhalle gespielt mit 3 oder 4 anderen Bands und es war die Hölle los. So eine Stimmung bei einem Konzert habe ich hierzulande davor und danach viele Jahre nicht mehr erlebt.

Wenn du mit dem Feedback des Publikums zu kämpfen hast oder vor wenig Leuten spielst, was tut ihr als Band, damit die Leute mehr abgehen?

Ich nehme mich selbst nicht so furchtbar ernst und manchmal muss man akzeptieren, dass es nicht dein Tag ist. Es ist wie beim Komponieren: du kannst nichts erzwingen. Ich versuche zu entspannen, durchzuatmen, zwischen den Songs Augenkontakt mit den Bandkollegen suchen, damit man beim nächsten Song besser zusammenspielt. Das ist während der Show nicht so einfach, wenn du siehst, dass der Funke nicht überspringen will. Man verkrampft dann leicht und besser wird es dadurch sicher nicht. Wir schauen immer, dass wir irgendwie das Beste aus der Situation machen. Ich habe aber noch nie nach einem Gig gedacht, dass wir besser zu Hause geblieben wären.

Gibt es ein Festival auf dem du gerne spielen oder ein Land in das du mit Mortal Peril reisen würdest?

Wünschen kann man sich viel. Wir sind schon froh, wenn wir für ein paar Gigs im Jahr gebucht werden. Wir sind nicht in der Position, große Ansprüche stellen zu können. Wir nehmen alles mit, was wir kriegen können. Ich bin Realist. Es wäre schon toll, noch mal auf dem Dong Open Air zu spielen. Ich hatte schon das Vergnügen da zu spielen, aber nicht mit Mortal Peril. Das Festival hat alles: mit 2000 Besuchern ist es zwar schon recht groß für unsere Verhältnisse aber immer noch familiär. Es ist gleichzeitig ein Auswärts-Gig und doch ein Heimspiel, weil da viele Leute regelmäßig hingehen, die ich ganz gut kenne.

Gibt es eine Band, die du eines Tages gerne unterstützen würdest oder mit der du spielen würdest?

Wenn du mich so fragst… Wo müssen wir unterschreiben für den Support-Slot bei der nächsten Judas Priest Tour?

Du hast erzählt, dass eine lebendige Szene vom Austausch lebt. Wie findest du Bands, die du nach Bergisch Gladbach / Köln bringen kannst?

Bei den Bands, die von weiter her kommen ist es normalerweise so, dass die irgendwie von meinem kleinen Festival hören und mir eine Mail schicken. Gelegentlich bekomme ich auch mal einen Tipp von einem Bekannten, dass ich bei einer bestimmten Band reinhören soll. Zuerst höre ich mir den neuesten Song an, den ich von der Band finden kann. Wenn ich das Gehörte für gut befinde, höre ich ihn noch mal und erst danach schaue ich mir alles weitere an, was es von der Band im Netz gibt und was sie mir an Infos geschickt hat und damit meine ich wirklich alles: Biografie, Fotos, fett produzierte Videos, spontan gedrehte Videos, wo die überall gespielt haben, Konzert-Reviews…. Ich habe kein großes Budget. Daher muss ich schauen, dass ich die wirklich guten Bands finde, bevor andere Veranstalter auf die Truppe anspringen und ich sie mir nicht mehr bezahlen kann. Ich habe kein großes Budget und kann auch nur zwei Mal im Jahr 4-5 Slots besetzen. Da kann ich es mir nur wenige Fehlschüsse leisten. Hinzu kommt, dass ich in direkter Nachbarschaft von Köln arbeite, wo sich, wenn nicht gerade eine Pandemie durchs Land zieht, jede Woche die Bands in Clubs und Hallen gegenseitig die Türklinke in die Hand geben. Wenn ich nicht konsequent auf Qualität setze, gehe ich unter.

Hat sich die Arbeit als Veranstalter verändert im Vergleich vor und nach der Pandemie?

Bis jetzt konnte ich noch keinen Unterschied feststellen. Okay, ich habe immer noch den Gedanken im Hinterkopf, dass mir die Politik morgen schon wieder einen Strich durch meine Planung machen kann, aber das ist dann eben höhere Gewalt. Nun muss ich mit der Musik nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten. Da kann man diese Unwägbarkeiten einigermaßen gelassen sehen. Allerdings sind Tontechniker, Locations, Security-Leute, Caterer und wer sonst noch in der Branche arbeitet, auf die vielen ehrenamtlichen Veranstalter wie mich angewiesen. Das ist kein angenehmer Gedanke aber ich darf mir nicht den Kopf zerbrechen über Dinge die ich nicht beeinflussen kann.

Denkst du, dass ein Teil der Metal-Szene (oder der Live-Musik im Allgemeinen) durch die Pandemie  verloren gegangen ist?

Es geht zum Glück endlich wieder los mit Konzerten und bis jetzt sind die negativen Folgen der Lockdown-Zeit nicht offensichtlich. Es fehlt ein Überblick, welche Locations aufgeben mussten, welche Veranstalter den Betrieb eingestellt und welche Bands sich aufgelöst haben. Bis jetzt habe ich von solchen Dingen nur am Rande und eher selten was mitbekommen. Positiv aufgefallen ist mir, dass so gut wie niemand die oft propagierte „neue Normalität“ im Kopf übernommen hat. Mein Eindruck geht eher dahin, dass die Leute sich noch mehr freuen, wenn sie sich wiedersehen und sich solche peinlichen Begrüßungen wie zum Beispiel sich gegenseitig mit den Ellenbogen zu berühren oder noch mehr zum Fremdschämen, gegen die Füße kicken, nicht etabliert haben. Diese würdelosen Sitten sind zum Glück wieder verschwunden.

Written by Hollee19 + Pete Rode

Photos supplied by Pete Rode




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